Die Tabakpflanze
stammt ursprünglich aus Amerika. Sie wurde (ähnlich wie
Cocablätter) gekaut, als Pulver geschnupft oder
als
Saft gekochter Tabakblätter getrunken. Ebenso wurde Tabak
geraucht, indem man die getrockneten Blätter der Tabakpflanze
mit Maisblättern umwickelte oder diese in eine
Pfeife stopfte.
Der Tabakkonsum war
derzeit bei den Indianern häufig in
einen zeremoniellen Ritus eingebunden oder die Blätter
wurden zu medizinischen
Zwecken verabreicht (bekannt ist heute
z.B. noch die Friedenspfeife – Beispiele für medizinische
Anwendungen: als Brech- oder Abführmittel, geschnupft gegen
Kopfschmerzen oder Tabakblätter zur Wundbehandlung ). |
|
Von Amerika aus in die Welt
|
Die
Entdecker Amerikas
und ihnen nachfolgende Expeditionen lernten von den
„Indianern“ deren fremdartige Rauchsitten und die Tabakpflanze kennen.
Der Name „Tabak“ soll von
dem antillischen Wort „Tabacco“ für das zum Rauchen
verwendete Rohr abgeleitet worden und auf die die getrocknete
Tabakblätter übertragen worden sein.
Bald gewöhnten sich immer mehr Siedler in der neuen Welt das
Rauchen an und rauchende Matrosen brachten den
Tabak Anfang
des 16. Jahrhunderts in die europäischen Häfen. Dort
wurde er rasch zu einer begehrten
Handelsware, die sich
schnell über die ganze damals bekannte Welt verbreitete. |
|
Die Karriere
des Tabaks in Europa
|
Der Gesandte Jean
Nicot brachte um 1560 die Tabakpflanze aus der
Hafenstadt Lissabon an den französischen Hof,
wo die Tabakpflanze als medizinisches Allheilmittel für vielerlei Beschwerden
und Krankheiten schnell Karriere machte. Nach Nicot wurden später die
Tabakpflanze „Nicotiana“ und ihr alkaloider Hauptwirkstoff
„Nicotin“ genannt.
Um 1600 galt Tabak als eines der bestwirksamsten Heilmittel
und wurde deswegen neben dem Inhalieren (Rauchen) auch in
zahlreichen Salben, Pasten, Lösungen und Tinkturen etc. als
Arzneimittel verwendet.
Geschätzt wurden auch die beobachteten Wirkungen auf
Geist und Psyche, wie Zunahme der Konzentration, Aktivierung
der Lebenskräfte und Erfrischung der Sinne.
Diese Effekte führten dazu, daß Tabak in der
Weltmetropole
London zur Kultdroge aufstieg und als Genußmittel in der
breiten Bevölkerung seinen Eroberungszug fortsetzen konnte.
Immer wieder wurden Verbote (Prohibition), strikte Kontrollen
und drastische Strafen (bis zur Todesstrafe) für Handel und Genuß ausgesprochen. Dennoch konnten weder der
illegale Anbau, noch Import, Handel oder Konsum
wesentlich eingeschränkt werden. Die Versuche staatliche Monopole auf den
Tabakhandel zu installieren oder den Tabakgebrauch und –anbau
ganz zu verbieten scheiterten alle zu guter
letzt.
So entschlossen sich die Inhaber der
Staatsgewalt den Tabakhandel und -konsum
vollständig zu legalisieren und in Form
von Tabaksteuern an
dem stark gefragten Genußmittel mitzuverdienen. Die
Bedeutung als Wirtschafts- und Handelsgut wuchs
immer mehr
und das Rauchen wurde zum normalen Bestandteil des
alltäglichen Lebens.
Mit der industriellen Massenfertigung der Zigarette gelang dem
Tabak endgültig der Durchbruch als „Volksdroge“ für breite
Schichten der
Gesellschaft. |
|
Tabakgegner und Nichtraucherschutz
|
Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts bilden sich die ersten Anti - Tabak -
Vereinigungen
zuerst in den USA, später in Deutschland. Anfangs blieben
sie völlig bedeutungslos.
Erst als Mitte des Jahrhunderts immer häufiger
medizinische Beweise für die Schädlichkeit des Rauchens
veröffentlicht wurden, gewannen sie langsam
an Bedeutung
Mit statistischen
Methoden konnten die Gesundheitsschäden des Rauchens
überzeugend dargestellt werden. Mit der Qualifizierung des Tabaks als „abhängig machende
Droge“ und der Veröffentlichung einer Zahl von weltweit 3
Millionen Tabaktoten durch die WHO (World Health Organisation
) im Jahr 1989 erhält das Tabakimage einen deutlichen Schlag.
Das bisherige Bild eines bei vernünftigem Konsum unschädlichen
(bis wenig schädlichen) Genussmittels verschob sich deutlich
in Richtung einer gesundheitsschädlichen und suchterzeugenden
Droge.
Die WHO setzt sich an die
Spitze des globalen Kampfes gegen die Droge Nikotin. Als
Nation übernehmen die Vereinigten Staaten weltweit die Führung.
Dort verliert die Tabakindustrie Schadensersatzklagen
in Milliardenhöhe und muß Kompensationszahlungen für die verursachten
Gesundheitsschäden an die Opfer zahlen.
Weitreichende
Rauchverbote und Diskriminierung lassen die Raucher in den USA
langsam zu einer gesellschaftlichen Randgruppe werden.
Vielerorts herrschen absolute Rauchverbote, wie
sie inzwischen auch in Europa
stark zunehmen. Das Rauchen am Arbeitsplatz, in Restaurants oder
öffentlichen Gebäuden ist untersagt. Zwar gibt es in vielen
Restaurants kleine separate Raucherbereiche, doch sitzt es
sich hier absichtlich überhaupt nicht bequem. Ebenso findet
man in größeren Hotels eigene Raucheretagen. Und auch auf
den Flughäfen gibt es abgegrenzte Raucherzonen. Selbst in
den eigenen Wänden kann das Rauchen zum Problem werden.
Nichtraucherverträge sind inzwischen die Norm. In den USA
lautet die oberste Regel: "No
smoking
".
Auch die Werbung für Zigaretten wurde stark
eingeschränkt. Plakate bekannter Tabakhersteller
findet man nicht mehr überall und auch
lustige Werbespots von Zigarettenmarken sind aus
dem Fernsehprogramm verschwunden.
Sogar das
Internet Marketing
ist für Tabak verboten worden. Gab es noch vor einigen
Jahren zahlreiche Banner, Videoclips oder andere
Werbemaßnahmen online, so sind diese seit dem Jahre 2010
untersagt. Der Gesetzgeber hat sich dabei an der Bedeutung
des Internets als Medium orientiert, über das sich schnell
und einfach Werbung verbreiten lässt.
So finden sich in den aktuellen
DVD Charts wohl kaum Filme aus amerikanischen
Produktionsstudios, die schöne Frauen oder mutige Männer
rauchend zeigen. Wenn in zeitgenössischen Filmen überhaupt
noch geraucht wird, so höchstens auf Seite der Bösen. Meist
finden die früher oft obligatorischen Glimmstengel heute den
Weg auf die Leinwand nicht mehr. Nur provokante Filme der
Independent-Szene wie "Smoke"
oder "Blue
in the Face" spielen mit diesem
Umstand, indem sie das Thema Rauchen aufgreifen. Aber nicht
nur im Kino ist Rauchen zum Tabuthema geworden.
Versuchen Sie einmal, in amerikanischen
Hotels
zu rauchen. Sie haben kaum eine Chance. Auch nicht in den
Restaurants oder Flughäfen. Es sei denn, Sie mögen
unfreundlich gestaltete winzige Räume, die meist
so verqualmt riechen, dass wohl auch
der härteste Raucher keine Lust mehr
auf eine Zigarette hat.
In Amerika herrschte das Rauchverbot
bereits einige Jahre früher als in Europa.
Wie so oft, waren die Vereinigten Staaten Vorreiter und
verboten beispielsweise schon recht früh das Rauchen auf
Bahnhöfen oder gar
am Strand.
In Europa
selbst erließ Irland
2004 als
erstes EU-Land umfangreiche öffentliche Rauchverbote.
Mittlerweile gelten in fast allen Ländern Europas Rauchverbote
unterschiedlicher Ausprägung.
Rauchverbote |
|
|
|
|
|